Pflegetagebuch für die Pflegegrad-Begutachtung

So bereiten Sie den Besuch des Medizinischen Dienstes gut vor.

Bevor die Pflegekasse einen Pflegegrad bewilligt, besucht Sie eine Gutachterin oder ein Gutachter des Medizinischen Dienstes (MD) zu Hause. Bei Privatversicherten übernimmt das Medicproof. In rund einer Stunde soll ein vollständiges Bild Ihres Alltags entstehen. Genau dabei hilft ein Pflegetagebuch: Es hält fest, wobei Hilfe nötig ist und wie oft, auch die vielen kleinen Handgriffe, die man in der Aufregung leicht vergisst.

Warum sich ein Pflegetagebuch lohnt

Am Tag der Begutachtung zeigen sich viele Pflegebedürftige von ihrer besten Seite. Schwierige Tage, nächtliche Unruhe oder Hilfen, die „so nebenbei“ erledigt werden, fallen dann leicht unter den Tisch. Ein Tagebuch über ein bis zwei Wochen macht den tatsächlichen Unterstützungsbedarf nachvollziehbar, für die Begutachtung und falls nötig auch für einen Widerspruch.

Worauf es bei der Begutachtung ankommt

Seit dem 1. Januar 2017 gibt es statt der früheren Pflegestufen fünf Pflegegrade. Entscheidend ist nicht mehr die Pflegezeit in Minuten, sondern wie selbstständig ein Mensch seinen Alltag noch bewältigen kann. Bewertet werden sechs Lebensbereiche:

  • Mobilität, z. B. Aufstehen, Umsetzen, Treppensteigen (10 %)
  • Geistige und kommunikative Fähigkeiten, z. B. Orientierung, Erinnern, Gespräche
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, z. B. nächtliche Unruhe, Ängste, Abwehr von Hilfe (zusammen mit dem vorigen Bereich 15 %)
  • Selbstversorgung, z. B. Waschen, Anziehen, Essen, Toilettengang (40 %)
  • Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen, z. B. Medikamente, Verbandswechsel, Arztbesuche (20 %)
  • Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte, z. B. Tagesablauf, Besuche (15 %)

Aus der Punktzahl ergibt sich der Pflegegrad: ab 12,5 Punkten Pflegegrad 1, ab 27 Punkten Pflegegrad 2, ab 47,5 Punkten Pflegegrad 3, ab 70 Punkten Pflegegrad 4 und ab 90 Punkten Pflegegrad 5.

So führen Sie das Pflegetagebuch

  • Beginnen Sie ein bis zwei Wochen vor dem Termin und schreiben Sie jeden Tag.
  • Notieren Sie, wobei geholfen wurde, wie oft und von wem.
  • Halten Sie auch kleine Hilfen fest: Essen klein schneiden, an Getränke erinnern, Knöpfe schließen.
  • Vermerken Sie Besonderheiten wie Stürze, Schmerzen, Verwirrtheit oder Unruhe in der Nacht.
  • Tragen Sie Arztbesuche, Therapien und die Medikamentengabe ein.
  • Beschreiben Sie ehrlich auch die schlechten Tage, nicht nur die guten.
  • Legen Sie das Tagebuch zusammen mit Arztberichten und Medikamentenplan zum Termin bereit.

Beispiel für einen Tagebucheintrag

UhrzeitTätigkeitArt der HilfeDauer / HäufigkeitBemerkung
07:00Aufstehen und WaschenHilfe beim Aufsetzen, Oberkörper waschenca. 20 Min.Schwindel beim Aufstehen
08:00FrühstückBrot schmieren, an das Trinken erinnernca. 10 Min.isst nur mit Aufforderung
10:30MedikamenteTabletten richten und reichen3× täglichvergisst die Einnahme allein
nachtsToilettengangBegleitung, Orientierung geben2×unruhig, verwirrt

Tipp: Viele Pflegekassen bieten kostenlose Vorlagen zum Ausdrucken an. Wichtig ist nicht die Form, sondern dass Sie regelmäßig und konkret notieren.

Wir begleiten Sie bei der Begutachtung

Als Pflegedienst in Bad Bevensen kennen wir die Begutachtung aus der Praxis. Wir helfen Ihnen beim Antrag und beim Pflegetagebuch und sind auf Wunsch beim Termin mit dem Medizinischen Dienst dabei. Rufen Sie uns an: 05821 977 61 00